ERNA LINCKE I HANS KINDER I JOHANNES KÜHL im Kabinett: CHRISTINE SCHLEGEL

18.05.2010 – 05.06.2010

Hans Kinder, nunmehr seit über 60 Jahren von unserer Galerie vertreten, hätte im August seinen 110. Geburtstag. Zwischen der Dresdner Heimat und dem Ahrenshooper Sommerrefugium, schuf er ein autonomes Werk, welches sowohl der Tradition des Bauhauses wie der der Dresdner Malschule (Meisterschüler von Max Feldbauer) zuzuordnen ist. Erschwerte Arbeitsbedingungen unter den Nazis und großer Verlust des Werkes durch beide Weltkriege erfuhren sowohl Kinder wie auch Lincke. Dem Einfluss des kulturpolitischen Konformismus der DDR entzog er sich durch Reduktion.
Erna Lincke studierte, wie zunächst auch Kinder, an der Dresdner Kunstgewerbeakademie, heiratete den Maler Hans Christoph, war Mitglied der »Dresdner Sezession«, später der »ASSO«, trat ab 1947 der Gruppe »Der Ruf« und ab 1951 dem »Ufer« bei. 1953 gehörte sie mit J. Kühl zu den Gründungsmitgliedern der »Genossenschaft Bildender Künstler«, die sich mit Ausstellungen und Verkauf für ihre Kollegen einsetzten und denen Lincke vorstand. Sachliche Klarheit und Konstruktivismus zeichnen die unverwechselbare Handschrift Linckes aus. Eine Präsentation mit Leihgaben ist Johannes Kühl als Maler gewidmet, der ab 1965 auf sein eigenes künstlerisches Schaffen verzichtete, um die Galeristentätigkeit seines Vaters Heinrich Kühl konsequent fortzusetzen »und dem Kunstleben Dresdens einen glaubwürdigen Ort seiner Pflege zu sichern«, wie Prof. Dr. Diether Schmidt formulierte. Bei Johannes Kühl begegnet uns die spätimpressionistische Malschule, die ihm als 16-Jähriger bis zum Meisterschüler bei Prof. Schramm – Zittau (Schüler von Preller, Zügel, G. Kuehl) an der Dresdner Kunstakademie vermittelt wurde. Ab 1946 dokumentieren präzise Bleistiftzeichnungen u.a. das zerstörte Dresden und deren Wiederaufbau, ab 1947 entstehen abstrakte bis ins Informelle reichende Arbeiten, die er mit spitzem Pinsel oder Stift unverwechselbar kultivierte. Diese gerieten wie die Werke Hans Kinders in die FormalismusKritik.
Mit sarkastischem Blick reflektiert Christine Schlegel Zeitentwicklungen und Umstände bereits seit ihrem tudentenleben an der Dresdner Kunsthochschule und schafft mit vielseitigen künstlerischen Mitteln ein authentisches Werk. Die Künstlerin erlebte die Beengungen und Aufbruchstimmung sehr intensiv, bevor sie 1985 die DDR verließ und sich in Berlin-West niederließ. Seit ihrer Rückkehr nach Dresden konzentriert sich Schlegel auf die Malerei, deren anregende Inhalte nicht eines spritzigen Humors entbehren.

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Hans Kinder. „Knabenkopf“, 30iger Jahre (Untermalung für Lasuraufbau), verso Komposition 50er Jahre, Öl/ Holz, monogr.
Johannes Kühl. Abendliche Erwartung. Gartenrestaurant Loschwitzhöhe. ca. 1951. Öl/ Lwd. sign. 50 x 70 cm
Erna Lincke. Fenster am Abend mit Blick auf das Hotel Newa. 1972/ 73, Öl/ Lwd. sign. 90 x 60 cm
Schlegel, Christine. Allez hopp. 2010. Öl/ Lwd. 100 x 100 cm