Informel. Spielarten und Grenzbereiche.
04.02.2007 – 24.03.2007
Auf der Suche nach neuen Wegen, künstlerische Intuition auszudrücken - beeinflußt durch die katastrophale Kriegserfahrung - bildete sich 1945 die Strömung des Nicht-Geformten, das Informel, als erste internationale Kunstrichtung heraus. Während diese Impulse im Westen Deutschlands unmittelbar registriert wurden, hatten es Künstler in Ostdeutschland ungleich schwerer, sich mit gegenstandsfreien Werken in der Öffentlichkeit zu positionieren. Künstler, die neben gegenständlichen Themen auch informelle Ambitionen verfolgten, erhielten in der Kunstausstellung Kühl seit 1945 trotz aller aufkommenden staatlichen Reglementierungen ein privat-öffentliches Podium. Hier wurden stets alle Facetten beachtet und präsentiert.
Mit der Ausstellung "Gegenwelten - Informelle Malerei in der DDR, das Beispiel Dresden", die gleichzeitig in der Städtischen Galerie Dresden zu sehen ist,
(2.2. - 22.4. 2007) wird auf Initiative der Universität Marburg und des dortigen Kunstvereins der Blick aus gesamtdeutscher Sicht auf die Leistungen der in Dresden informel arbeitenden Künstler gerichtet.
Die Offenheit, mit der die Kühl - Galeristen informel-experimentierenden Künstlern entgegen kamen, resultiert daraus, dass sich Johannes Kühl in seiner Zeit als Maler dieser Kunstströmung hingegeben hat. Arbeiten aus dieser Schaffensperiode, in denen interessante Assoziationen zum Werk Hans Hartung, Hans Christoph und Wols zu entdecken sind, blieben bis heute weitgehend unbekannt. Sie werden in der Städtischen Galerie Dresden und in unserer Ausstellung gezeigt.
Wie leicht verschiedenste Materialien und Techniken informelle Ambitionen in Grenzbereiche führen, in denen abstrakte oder gegenständliche Assoziationen auftauchen, offenbart die für diese Präsentation getroffene Werkauswahl.
Wilhelm Müller läßt den Betrachter ausgehend von Zeichnungen mit dem Silberstift und dem japanischen Vielfarbstift über chemische Experimente schließlich mit den eingeschwemmten pigmentierten Blättern an der reinen informellen Kunst teilhaben. Dem gegenüber ist eine Gouache von 1945 - aus der kurzen Experimentierzeit Ernst Wilhelm Nays - einem Übergang vom Figurativen zum Informel zuzuordenen. Ebenfalls ein Übergang - in diesem Fall zum Surrealen, findet sich auf dem Blatt "Ungleiches Paar" von Karl Otto Götz, für welches er Farbe mittels Lusftpumpe aufbrachte. Das reich bestellte Experimentierfeld dazwischen, füllen die spielerisch mit dem Spachtel bearbeiteten, farblich reizvollen Lackarbeiten von Annemarie Balden - Wolff und ihre von Textilstrukturen inspirierten Tusche - Blätter aus, quirlige Aquarell - Wachsstift-Techniken von Kesting, kräftige Monotypien von Willy Wolff und Schmidt - Kistein, der Einblick in Christophs informelles Werk, schwungvolle Gouachen von Johannes Kühl, vielseitige Werke von Glöckner und interessante kleine Ölgemälde aus dem Spätwerk des Dix - Schülers Ernst Hippold.
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Wolff, Willy. o.T. 1965. Monotypie. sig. 63 x 49,6 cm.
Balden-Wolff, Annemarie. Tapsen im Wasser. 1965. Lackarbeit auf Papier. sign. 16,5 x 12,8 cm
Müller, Wilhelm. o. T., 1982. Einschwemmung mit blauen Pigmenten. sign. 66,5 x 51,5 cm
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