Johannes Kühl

(1922 – 1994)

 

Das von den offiziellen Vorgaben des Sozialistischen Realismus abweichende Ausstellungsangebot galt als nationaler und internationaler Geheimtipp.

 

1922in Dresden geboren
1938 – 1943Besuch der Kunstschule Richter, Dresden
Als 16-Jähriger Beginn des Studiums der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste Dresden, Meisterschüler bei Prof. Rudolph Schramm-Zittau, freischaffender Maler
1942Ehrenpreis der Stadt Dresden
Seit 1946Mitglied des VBK Dresden

Seit 1960

1961

gewählter Vertreter aller 11 Verkaufsgenossenschaften in der DDR in der Zentralleitung des VBKD (Verkaufsgenossenschaft der Bildenden Künstler Dresden)

Geburt der gemeinsamen Tochter Sophia-Therese mit Ehefrau und Grafikerin Anneliese Kühl 

1965

Übernahme der Galerie, Aufgabe der eigenen künstlerischen Laufbahn

1965 – 1994

Die Ausstellungsfolge mit nonkonformer Kunst wird ohne Unterbrechnung fortgesetzt. Subversive Eröffnungsreden werden von Museumsdirektoren und Kunsthistorikern gehalten. Die Adresse entwickelt sich weiterhin zum Podium frei denkender Menschen und gilt als Geheimtipp weit über die DDR hinaus.

1990 – 1992

1. Vorsitzender des Neuen Sächsischen Kunstvereins e. V.

Vorstandsmitglied des Verbandes der Kunst- und Antiquitätenhändler der DDR e.V. (Stellvertretender Vorsitzender)

Durch Geschick, persönlichen Einsatz und Zusammenarbeit mit den führenden Persönlichkeiten der kulturtragenden Gesellschaftsschicht bewahrt Johannes Kühl die Galerie vor der Schließung durch den sozialistischen Staat.

Dem rasant fortschreitenden Verfall des Hauses Zittauer Straße 12, den dieses Anwesen mit vielen Gebäuden in der DDR teilt, kann Johannes Kühl nur durch selbstlose Eigeninitiative notdürftig entgegentreten. In unvergleichlicher Weise gelingt es ihm, die Würde des alternden Hauses mit einem stets erfrischenden Hauch der ausgestellten Kunst zu einer unverwechselbaren, tief einprägsamen Atmosphäre zu verschmelzen.

Johannes Kühl führt die Galerie erfolgreich über die Wendezeit 1989–94.

1994in Bautzen gestorben

 

Auswahl wichtiger Künstler, die in den Folgejahren das Programm prägen

ab 1965
Johannes Kühl führt das volle Programm weiter. Im Jahr finden 6–7 Ausstellungen statt. Höhepunkte sind die Angebotsausstellungen am Jahresende mit Grafik, Gemälde und Plastik unterschiedlicher Künstler des XX. Jh.

Aufnahme neuer Künstler (Auswahl): Willy Wolff, Friedrich Press, Annemarie Balden-Wolff, Edmund Kesting, Wilhelm Dodel, Erna Lincke, Joachim Heuer, Bernhard Kretzschmar …

70er Jahre
Werner Wittig, Helmut Gebhardt, Joachim Heuer, Otto Niemeyer-Holstein, Georg Nerlich, Werner Stötzer, DOTTORE, Hans Kinder, Max Uhlig, Wieland Förster, Helmut Schmidt-Kirstein, Hermann Naumann, Gerda Lepke, Anatoli Kaplan, Klaus Dennhardt, Peter Graf, Horst Leifer, Peter Makolies, Veit Hofmann, Carl-Friedrich Claus, Klaus Weidensdorfer, Inge Thiess-Böttner (Ausstellungsverbot während der DDR-Zeit), Klaus Drechsler …

80er Jahre
Gerhard Altenbourg, Jürgen Schieferdecker, Hainz Hamisch, Gudrun Trendafilov, Michael Hofmann …

90er Jahre
Stefan Plenkers, Helmut Heinze, Ivo Hauptmann, Dieter Goltzsche, Reinhard Springer, Gunter Herrmann …

 

Eröffnungsredner (Auswahl)

Prof. Dr. Dr. Manfred Bachmann, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Fritz Löffler, Dr. Dieter Schmidt, Prof. Dr. phil. H. c. Werner Schmidt, Direktor des Kupferstichkabinettes, später Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Gerhard Kettner, Ingrid Wenzkat, Dr. Sibylle Badstübner-Gröger, Dr. phil. Horst Zimmermann, Gabriele Männel (später Werner), Dr. phil. Heiner Protzmann

 

als Zitierweise empfohlen, zusammengestellt und bearbeitet von Sophia-Th. Schmidt-Kühl